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24. Februar 2006

Im Tal der Tränen

Die Entscheidung der Kinokette Cinemaxx, den umstrittenen türkischen Actionfilm "Tal der Wölfe Irak" (Kutlar Vadisi Irak) aus dem Programm zu nehmen, ist in der Türkei auf Kritik gestoßen.

Als "Zensur" wertete die angesehene Zeitung "Cumhuriyet" die Entscheidung am Donnerstag. Von einem "ersten Verbot" war bei "Hürriyet" die Rede. Cinemaxx hatte die Entscheidung damit begründet, dass von Anfang an nur eine Aufführungsfrist von 14 Tagen vereinbart gewesen sei. Diese Frist sei jetzt abgelaufen.


Der in der Türkei und auch bei Türken in Deutschland sehr erfolgreiche Film "Tal der Wölfe Irak" erzählt die Geschichte eines türkischen Geheimdienstagenten, der in Nordirak gegen US-Truppen kämpft. Kritiker werfen dem Streifen anti-amerikanische und anti-semitische Tendenzen vor. "Cumhuriyet" zitierte den Bundesvorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Kenan Kolat, mit den Worten, die Absetzung des Films sei ein großer Fehler. Die türkischen Jugendlichen seien wütend, sagte Kolat der Zeitung zufolge. Durch ein Verbot würden viele erst recht dazu gebracht, sich mit dem Film zu identifizieren.


Der Actionfilm, der auch in Österreich erfolgreich läuft, zeigt unter anderem einen amerikanischen Befehlshaber als christlichen Fundamentalisten und unmenschlichen Sadisten. Ein jüdischer US-Militärarzt beschwert sich im Abu-Ghraib-Gefängnis, dass Häftlinge oft in so schlechtem Zustand zu ihm gebracht werden - wo er ihnen doch intakte Organe entnehmen muss, um diese zu Patienten nach Tel Aviv zu schicken.

Das Publikum applaudiert regelmäßig am Ende der Filmvorführungen.
Der EU-Abgeordnete Andreas Mölzer sprach sich klar gegen die Absetzung des Films aus. Stattdessen sollte dieser Streifen, mit entsprechenden Kommentaren oder Untertiteln versehen, im Fernsehen ausgestrahlt werden. Denn "diese filmische Hasspredigt zeige, wie es um die Haltung vieler - auch in Österreich und Deutschland lebender - Türken und Moslems, wirklich bestellt sei", erklärte Mölzer. "Warum sonst hätte dieses Machwerk in der Türkei oder bei uns zum Teil bereits in zweiter Generation lebenden Türken zum Kassenschlager werden können?", so Mölzer. Dieser islamistische Propagandafilm zeige auch die doppelbödige Haltung des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdogan, der "bei der EU das Unschuldslamm" spiele und sich "als Vermittler im Karikaturenstreit" andiene. In diesem Kontext übte Mölzer scharfe Kritik am EU-Ratsvorsitz Österreichs.

3 Comments:

  • That's Cool
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    By Blogger Prashanth, at 16:42  

  • Ähm, haben die Leute nicht mitbekommen, dass der Film von Anfang an nur zwei Wochen in dieser Kinokette laufen sollte?

    Und was hat die persönliche Entscheidung einer Kinokette mit Zensur zu tun? Kann eine Kinokette nicht selbst entscheiden, wann sie welchen Film laufen lässt?

    Und sind zwei Wochen für einen Film, der noch nicht einmal deutsch synchronisiert ist, nicht sowieso zu viel?

    Aber, dass die konservative türkische Zeitung H. gleich von "Zensur" spricht, obwohl die Entscheidung nicht von Staates Seite kam, sieht ihr ähnlich. In der Türkei scheint das wohl Tagesordnung zu sein.

    By Blogger http://yetused.blogger.de, at 22:13  

  • Das ist echt der Witz des Jahres. Die Türkei als Super-Zensur-Land regt sich über Znesur in der BRD auf. Aber so ist das halt. Wer am meisten beißt, jault am lautesten wenn er selbst gebissen wird.

    By Anonymous Anonym, at 19:15  

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