Das entstehen großer Firmenkonglomerate in der deutschen Medienlandschaft sollte eigentlich die Durchsetzungskraft der Meinungsfreiheit stärken. Könnte man annehmen. Das auch der gegenteilige Effekt auftreten kann, zeigt ein aktueller Vorfall in der ARD. Was war passiert? Am 13.11.05 war es wieder mal soweit: "Tatort"-Zeit im Ersten. Mehr als 7 Millionen Menschen sitzen vorm Fernseher und werden spannungsvoll unterhalten. Doch sie sehen nicht alles. Noch am selben Tag wurde auf Anordnung des Saarländischen Rundfunks eine vermeitlich heikle Sequenz aus dem Film geschnitten. Der an und für sich harmlose Plot der Tatort-Folge "Rache-Engel" wurde mit einer einminütigen Sex-im-Gewächshaus-Szene garniert. Was durch alle öffentlich-rechtlichen Prüfungsmühlen ging und für sendefähig eingestuft wurde, stieß bei einer Instanz auf völlige Ablehnung: nicht etwa bei der neuen konservativen Regierung oder eines kirchlichen Medienkritikerverbandes. Die "Bild"-Zeitung ereiferte sich in ihrem Sonntags-Ableger "Bild am Sonntag" über die ungewähnliche Brutalität der bevorstehenden Ausstrahlung. "Bild" selbst ist ja bekanntlich Bestandteil des Springer-Verlages, der bekanntlich in diesem Jahr einen Großeinkauf im Bereich Television getätigt hat. "Bild" hat nun also TV-Geschwister (Pro7, sat 1). ARD und ZDF sind demnach Wettbewerber dieser Springer-Familie, denken könnte man aber auch, sie seien Feinde. Dabei klingt es schon seltsam, wenn man nur die Verkettung der Beteiligten aufzählt: "Bild" (=Springer-Verlag = Sat 1 = Pro 7) rügt Brutalität und Sex im "Tatort" (= ARD = öffentlich-rechtlich). Es ist wirklich amüsant, dass genau diese Beteiligten für einen merkwürdigen Zensur-Fall stehen. Besonders auffallend dabei ist, dass nicht die Zensurmaßnahme selbst im Mittelpunkt der Diskussion steht, sondern vielmehr die bereits erwähnte Konstellation der Beteiligten. Gerade "Bild" zeigt ausführlich das, was ihrer Meinung nach nicht in einen "Tatort" gehört. Ein Schelm, wer an "Sensationslüsternheit" und "inhaltlichen Kaufsanreiz" beim Abdrucken der Sexbilder in "Bild am Sonntag" denkt. Aber wer will es ihnen verdenken, schließlich existiert "Bild" vom Bedienen eines vordergründigem Voyourismus seiner Leserschaft, sei es mit kleinen Nackedei-Bildchen oder durch aufwühlende Schlagzeilen ("Wie versaut darf ein Tatort sein?"). Und nicht nur, dass die Zeitung selbst von dem lebt, was sie anprangert, bekanntlich schreibt sieauch täglich allerlei Übertreibungen, Unsinnigkeiten, Unwahrheit und Halbwahrheiten (die Beweise werden hier dokumentiert). Natürlich darf sie das und ihre Geschwister Sat 1 und Pro7 auch. Nur eben nicht der Feind. Das geht dann doch zu weit.
"Eine Zensur findet nicht statt" (Artikel 5 des Grundgesetzes). Das die Öffentlichkeit dennoch nicht alles sehen, hören oder lesen darf, wird hier dokumentiert.
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